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Zum Schmunzeln...

Zum Schmunzeln...

Im Alltag eines Sehbehinderten oder Blinden gibt es oft Situationen, die zwar peinlich sind, aber auch sehr zum Lachen.
Da ich den Hang zur Tollpatschigkeit habe, gibt es solche Situationen nicht selten. Ich habe das Talent, mich hin und wieder in peinliche Situationen zu verstricken. Dabei ist die Gefahr nicht auszuschliessen, dass auch andere Personen involviert werden.



Auf der Heimreise mit dem Zug eines Wochenendausfluges mit meiner Freundin Sonja schauten wir gemeinsam zum Fenster hinaus. Ich genoss den noch für mich erkennbaren blauen Himmel und lauschte der Beschreibung der Landschaft von Sonja. Sonja genoss die wunderschöne Landschaft auch. Hin und wieder fuhr der Zug durch einen Tunnel. Dabei wurde es am Fenster dunkel.
Als der Zug erneut in einen Tunnel hineinfuhr, sprang Sonja schnell zur Toilette, um nicht viel von der Landschaft zu verpassen. Aber als sie in der Toilette ankam, dampfte der Zug wieder aus dem dunklen Loch hinaus.
Während Sonja auf der Toilette war, wartete ich auf sie. Ich schaute immer noch zum Fenster hinaus und war über die Länge des Tunnels erstaunt.
Als Sonja von der Toilette zurückkam, setzte sie sich und ich neigte den Kopf nach vorne und es wurde hell!
Diesen Zufall kommentierte ich folgender massen: “Jetzt hat der ganze Wagon auf dich gewartet, dass es wieder hell wird! Als du auf die Toilette gingst, wurde es dunkel. Und als du wieder kamst, wurde es wieder hell!“ Sonja erwiderte: “Nein, der Tunnel ist schon lange zu Ende.“ Ich war etwas irritiert, schaute wieder zum Fenster und stellte fest, dass wir wieder im Tunnel sind. Deshalb sagte ich ihr:“ Schau jetzt sind wir wieder im Tunnel.“ Dabei musste sie lachen. Sonja erklärte mir, dass ich nicht genau vor dem Fenster sass. Auf meiner Seite sei gerade die Zugswand.
... Also hat es für mich auf dieser Zugsfahrt mehr Tunnels gehabt als in Wirklichkeit....


An einem Märzwochenende fand in Leverkusen ein Hallenmeeting statt. Auch wir, das Leichtathletik Standing Team, nahmen an diesem Meeting teil. Wie jedes Jahr übernachteten wir im nahegelegenen Hotel. Vom Hotel zur Wettkampfhalle gab es Shuttelbusse.
Eines morgens warteten Martin Kuriger und ich in der Eingangshalle des Hotels auf den Bus. Dabei nahm ich den Gestank einer dicken Zigarre wahr. Da ich ihn als unangenehm empfand und niemanden weiteren bemerkte ausser wir zwei, hustete ich und fächerte mit der Hand vor dem Gesicht den Rauch weg. Dabei verlor ich auch ein paar Worte vor Abscheu: „Wäh! Grusig! Boha! Hust, Hust!“
Da erhob sich ein Mann und distanzierte sich von uns. Mir war das etwas peinlich und doch mussten „Kuri“ und ich lachen.


Bevor wir in die Brünig Bahn einstiegen, entschieden Sonja und ich für die Reise ein paar Früchte zu kaufen. Als wir durch den Gang des Wagons schlenderten, kullerte mir der Apfel aus der Hand. Der Apfel rollte unter eine Sitzbank. Sonja, so hilfsbereit wie sie ist, kroch dem Apfel unter den Sitzbank nach. Dabei meinte ein Fahrgast, der das Schauspiel beobachtet hat: “Es gäbe sonst auch noch freie Sitzplätze...“


Bei der Einfahrt eines Zuges im Bahnhof reihen sich die Fahrgäste zum Aussteigen im Gang des Zugwagons ein und warteten bis sie aussteigen konnten. Auch ich reihte mich ein, dabei tappte ich vorsichtig den Gang entlang und rammte dem Vorderen in den Rücken. Dieser drehte sich genervt um und schimpfte mich dabei an: „Hast du keine Augen im Kopf?!“ Als er mich ganz sah, erkannte er meinen weissen Stock, mit dem ich ihm vor dem Gesicht hin und her schwang.
Er erschrak und ihm war seine Aussage sehr peinlich!

Ich ging mit Sonja, ihrem Bruder Urs und dessen Freundin Bernadette nach Uri in den Ausgang. Leider war die Party schon ausverkauft und wir machten uns wieder auf den Heimweg. Wir liefen auf dem Trottoir zum Auto. Sonja war in einem Gespräch mit Urs und Bernadette vertieft und ich lief einige Schritte vor ihnen. Sonja bemerkte während ihrem Gespräch, dass ich auf einen Gartenzaun zusteuerte. Sie wollte ihr Gespräch aber nicht unterbrechen und lief ohne mir was zu sagen neben mich und schubste mich nach links weg, so dass ich nicht in den Zaun lief. Ich habe leider von dem Zaun nichts bemerkt und dachte, dass Sonja mich zum Scherz geschupst hat. So dachte ich, na warte und schubste sie zurück, dabei stiess sie in den Zaun rein und fiel auf den Boden. Sonja wusste nicht, ob sie schimpfen oder lachen sollte, sie entschied sich dann fürs Lachen, worauf wir alle lachen mussten.

Sonja und ich wollten nach einem feinen Znacht die Küche aufräumen. Ich übernahm den Job des Abwasches. Als ich schon beinahe fertig war, sagte mir Sonja, dass noch eine Bratpfanne zum Abwaschen auf dem Herd stand. Anbei fügte sie noch hinzu, dass auf dem Herd zwei Pfannen seien, eine zum Abwaschen und die andere sei noch voller Kartoffeln. Ohne viel zu überlegen, schnappte ich mir die erste Bratpfanne und kippte sie ins Abwaschwasser. Doch bald darauf hörte ich Sonja Worte und ich wusste genau, dass ich die Pfanne mit den Kartoffeln genommen hatte. Ich wollte das Missgeschick wieder gut machen und meinte, man könne die Kartoffeln ja mit Wasser abspülen, aber dann wären sie wohl nicht mehr so lecker gewesen.

Sonja hat mir am Vorabend einen Gurkensalat vorbereitet, da sie am nächsten Tag über den Mittag in der Schule blieb und ich frei hatte. Als ich dann am folgenden Tag hungrig im Kühlschrank den Gurkensalat suchte, fand ich ihn nicht. Ich dachte, dass sie es vergessen hatte, die Gurke zu schneiden und fand ein sehr gurkenähnliches Gemüse. Voller Überzeugung, eine Gurke zu schälen, machte ich mich an die Zubereitung. Es schmeckte wirklich nicht schlecht, aber irgend etwas war an diesem Salat anders. Also rief ich Sonja an und fragte nach dem Gurkensalat. Sie beschrieb mir, wo das Geschirr im Kühlschrank war und tatsächlich fand ich ihn auch an diesem Ort. Leider hatte ich keinen Hunger mehr, denn ich habe ja bereits vorher genüsslich eine Zucchetti gegessen, die einer Gurke wirklich zum verwechseln ähnlich ist.

Unsere Tochter Seraina Laura ist nun ein Jahr alt. Sie geniesst es sehr, wenn sie mit Papi spielen kann. Sehr gerne spielen sie gemeinsam mit ihrem Ball. Lukas gibt sich alle Mühe, den Ball vor Seraina zu erwischen, aber Seraina krabbelt lachend an ihrem Papi vorbei, zielstrebig auf den Ball zu. Tja, da habe ich wohl das Nachsehen...

Sonja war mal nicht zuhause und ich legte Seraina zu ihrer Mittagsschlafzeit in ihr Bett. Die Storen habe ich natürlich runtergelassen, wie es sein sollte. Seraina war irgendwie nicht müde und hatte eine richtige Party in ihrem Bett. Als Sonja dann eine halbe Stunde später nachhause kam, wunderte sie sich, weshalb denn bei Seraina die Storen oben waren und sie bei hellem Licht schläft. Ja, sie hat nicht geschlafen, sie spielte fröhlich in ihrem Bett. Sonja hat nämlich zur Vorsorge die Storen runtergelassen, bevor sie ging und ich dachte, sie seien noch oben und liess sie nach meine Wissen runter. Dabei liess ich die Storen in Wirklichkeit rauf.
Dasselbe wiederholte sich, als ich mal am Abend Seraina ins Bett brachte und das Licht anknipste statt ausschaltete. Da müssen wir wohl mal über die Bücher, damit das nicht noch öfters passiert. Ansonsten wird sich Seraina bestimmt in Zukunft freuen, wenn ihr Papi sie alleine ins Bett legt...

Im training:
Gegen Ende des Trainings besprachen Beni und ich welche Übungen wir aus dem riesen Sprungkraftprogramm machen. Donat ging etwas suchend auf dem Platz umher und sagte, dass er seine Turnschuhe suchte. Ichmachte eine witzige Anmerkung: „Vielleicht hat sie jemand imSand vergraben?“ Wir grinsten über diese vorstellung. Da schien es,als sei ihm eingefallen, wo er die Schuhe ausgezogen habe. Er steuerte auf die Bänke zu und kam dann wieder auf mich zu. Da rief er mir zu: „ He! Lukas, du hast ja meine Schuhe an!“ Ich griff sofort zu den Schuhen und erkannte am Profil, dass es gar nicht meine Schuhe sind!
Beni gab etwas als Entschuldigung hinzu, dass ja schliesslich seine Schuhe neben dem Rucksack von Lukas gestanden haben. Ich erklärte ihm, dass er wenigstens nun vorgewärmte Schuhe hat.
... was für ein Schuhsalat! wenn mehrere Athleten Schuhe von Asics tragen...


Sarkastischer Ratgeber für den Umgang mit Blinden

© 2005 Lukas Hendry - design by Reto Stadler |